Erdgas ist ein fossiler Energieträger. Durch Bohrungen oder Fracking wird das Gas gefördert. Bei Förderung, Transport und Verbrennung werden große Mengen Treibhausgase, teilweise unkontrolliert, emittiert. Das Gasgemisch besteht zu einem Großteil aus Methan, das ein hochwirksames Treibhausgas ist. Deswegen sind schon kleinere Lecks in der Gasinfrastruktur hoch klimaschädigend.
Erdgas wird für die Gebäudeheizung, zur Stromerzeugung, in der Industrie (als Wärmelieferant oder Reaktionspartner z.B. beim Haber-Bosch-Verfahren zur Stickstoffdüngemittel-Herstellung, Erzreduktion), als Treibstoff für Schiffe und Kraftfahrzeuge sowie für die Herstellung von "grauem Wasserstoff" genutzt. Bei der Umwandlung von fossilen Kohlenwasserstoffen, in der Regel Erdgas, in Wasserstoff gehen näherungsweise 20 % der aufgewendeten Energie verloren (Umweltbundesamt, 2023).
Wie viel Gas verbrauchen wir pro Woche?
Der Gasverbrauch in Deutschland ist nach 2021 aufgrund der kriegsbedingten Preissteigerung und der Einsparbemühungen gesunken. Zudem bleibt es spannend, wie sich die Wärmewende auf den Gasverbrauch auswirken wird. Derzeit werden allerdings auch Kohlekraftwerke durch Gaskraftwerke ersetzt, was den Verbrauch bis zu einer späteren Umstellung auf Wasserstoff steigern wird.
Bundesnetzagentur (2023)
Datensatz:
Wöchentlicher Gasverbrauch in Deutschland
Woher importieren wir unser Gas?
Etwa 5,5 % des in Deutschland verbrauchten Gases werden in Deutschland gefördert. Der Rest wird über Pipelines (oder bei LNG per Schiff) importiert. Von dem importierten Gas werden Teile auch weiter in Nachbarstaaten exportiert, es gibt einen dynamischen Gasaustausch zwischen den Ländern. Nach dem Importrückgang von Gas aus Russland werden aktuell die größten Mengen aus Norwegen, Belgien und den Niederlanden geliefert. Der aktuelle Beitrag von LNG (Flüssigerdgas) am gesamten Erdgasimport nach Deutschland ist bislang gering. Dieser Anteil wird jedoch voraussichtlich zunehmen, sobald mehr Flüssigerdgas-Terminals in Betrieb genommen werden (siehe unten).
Bundesnetzagentur (2023)
Datensatz:
Gasimporte
LNG steht für Liquefied Natural Gas, verflüssigtes Erdgas. Dafür wird Erdgas auf etwa -162 °C gekühlt bis es kondensiert. Dies führt zu einer Verringerung des Volumens um das 600-fache. So kann es in speziellen Tanks auf Schiffen transportiert werden. An einem LNG-Terminal wird das LNG wieder in einen gasförmigen Zustand überführt.
Der Ausbau der LNG Infrastruktur ist problematisch für erfolgreichen Klimaschutz, da er einen Gas Lock-in begünstigt. Investitionen in fossile Energieträger erschweren eine Energiewende hin zu erneuerbaren Energien.
Deutschland baut seine LNG-Importkapazitäten stark aus.
Seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine setzt auch Deutschland verstärkt auf LNG-Importe, statt des klassischen Erdgastransportes über Pipelines. Dafür hat Deutschland schwimmende LNG-Import-Terminals gechartert. Außerdem werden stationäre LNG-Terminals in Wilhelmshaven, Brunsbüttel und Stade errichtet. Auf der Karte sind die Standorte sowie Betreiber und Kapazitäten der Anlagen verzeichnet. Mit dem LNG-Beschleunigungsgesetz hat die Bundesregierung den Ausbau stark vereinfacht – so müssen zum Beispiel keine Umweltverträglichkeitsprüfungen durchgeführt werden.
DIW Berlin (2024)
Bukold, S. (2023) LNG-Boom in Deutschland. EnergyComment
Die Positionen der geplanten Terminals sind nur annähernd dargestellt.
Datensatz:
LNG-Terminals
Wie viel LNG importieren die deutschen Terminals?
Am meisten LNG wird aktuell in Wilhelmshaven eingespeist, in Lubmin und Brunsbüttel sind die Mengen momentan noch geringer.
European Network of Transmission System Operators for Gas (ENTSOG; 2023)
NDR (2023)
Wo befinden sich die Kohlekraftwerke und wie lange werden sie voraussichtlich in Betrieb sein?
Der Kohleausstieg ist in Deutschland bis 2038, im Rheinischen Braunkohlerevier bis 2030, geplant (Kohleverstromungsbeendigungsgesetz, 2020; Bundesregierung, 2022). Diese Karte zeigt die Standorte der Braun- und Steinkohlekraftwerke mit einer Leistung größer als 200 MW sowie deren geplante Stilllegungsdaten. Die Steinkohle wird von Deutschland importiert, während die Braunkohle in Tagebauen vor Ort abgebaut wird. Europas größte Braunkohlegrube Hambach liegt im Rheinischen Braunkohlerevier. Auf der Karte sind außerdem die Tagebaue im Lausitzer und Mitteldeutschen Braunkohlerevier abgebildet. Um die 1,5° Grenze einzuhalten, müssten weltweit bis 2030 rund 3000 Kohlekraftwerke abgeschaltet werden, das bedeutet die Schließung von fast einem Kraftwerk pro Tag von jetzt bis zum Ende des Jahrzehnts. (TransitionZero, 2021)
Bundesnetzagentur (2023)
Datensatz:
Braun- und Steinkohlekraftwerke
Rohöl wird vor allem zur Herstellung von Kraftstoff (Benzin, Diesel) verwendet. Dabei importieren wir etwa 98 % des benötigten Rohöls aus anderen Ländern. Vor dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine war Russland dafür der wichtigste Lieferant, mittlerweile kommt der größte Teil des Rohöls aus Norwegen, Großbritannien, Kasachstan, den USA und den vereinigten arabischen Emiraten. Nur 2 % des benötigten Rohöls wird im Inland gefördert, vor allem in Schleswig-Holstein und Niedersachsen.
Wenn wir mit einem Auto fahren, das mit Benzin betrieben wird, oder unser Haus mit einer Ölheizung beheizen, entsteht klimaschädliches CO₂. Für die Erreichung der Klimaneutralität ist es deswegen notwendig, auf Erdöl zu verzichten.
Die Rohölimporte Deutschlands sinken nur langsam. Für die Erreichung der Klimaneutralität ist ein Ausstieg aus Erdöl notwendig.
Statistisches Bundesamt (2023)
Datensatz:
Jährliche Rohölimporte